Kardinal Bea
Aus Riedböhringen stammt ein kirchengeschichtlich bedeutender Sohn der Baar: Augustin Kardinal Bea SJ (1881-1968). Früh mit Offenheit für neue Orte und Menschen vertraut, stieß Bea maßgeblich die Öffnung der katholischen Kirche für andere Glaubensrichtungen an. Nach der Volksschule im Dorf verbrachte Bea seine Gymnasialzeit in Sasbach, Konstanz und Rastatt. Das Abitur legte er in fast allen Fächern mit Bestnoten ab – außer in Religion.
In Freiburg begann er das Theologiestudium; zwei Jahre später, 1902, trat er im niederländischen Valkenburg in den Jesuitenorden ein, der damals in Deutschland verboten war.
Der Orden weitete noch einmal den Horizont des jungen Geistlichen: Bea unternahm vertiefende Studien der Orientalistik und Bibelwissenschaften in Berlin, wurde dann Professor für Altes Testament in Valkenburg. 1921 übertrug man ihm die Leitung der neuen Oberdeutschen Ordensprovinz. Aus dieser Zeit rührt seine Bekanntschaft mit Eugenio Pacelli, dem damaligen Nuntius in Deutschland und späteren Papst Pius XII., dessen Beichtvater er wurde.
1924 brachte für Bea einen Wechsel nach Rom: Hier übernahm er wissenschaftliche Aufgaben an der Päpstlichen Universität Gregoriana und am Päpstlichen Bibelinstitut, aber auch Beraterfunktionen an der Kurie. Seine breite Fachkenntnis und seine Fähigkeit zu vermitteln machten ihn zu einem wichtigen, dabei zurückhalten den Reformer.
So gehen die Öffnung der Kirche für moderne Methoden der Bibelwissenschaft wie auch die vatikanische Ökumene-Stelle, das „Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen“, auf Beas Anregungen zurück. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) bereitete er die Erklärung „Nostra aetate“ vor, die das Verhältnis zum Judentum grundlegend ändern sollte. Auch zur Aussöhnung mit der orthodoxen Kirche nach Jahrhunderten der Trennung leistete er die entscheidende Vorarbeit.
Für Bea blieb die Heilige Schrift „der gemeinsame Boden, auf dem wir und die getrennten Brüder stehen“ – eine ähnliche Bodenständigkeit wie die, die er in seiner Baaremer Heimat lernte.
Text: Burkhard Jürgens
