Sie bildet eine Folge von Orgel-Werken in Form einer überdimensionierten Messe; Albert Schweitzer nannte sie daher auch Orgel-Messe. Zwischen dem Eingangs-Präludium und der Schluss-Fuge finden sich die Messteile Kyrie, Gloria und Credo sowie kommentierende Choräle. Das gesamte Werk kann als eine große Predigt Martin Luthers über das Heilsgeschehen, dem Leben Jesu folgend, beschrieben werden. Bach verwendet in seiner musikalischen Umsetzung zahlreiche rhetorische Figuren, um die Aussagen „anschaulich“ – für das Ohr - zu illustrieren, wobei eine Art nonverbales geistliches Musical entsteht.
Den wenigsten heutigen Hörerinnen und Hörern wird sich in der vertrackten Musik die Heilsgeschichte auf Anhieb erschließen. Was also ist naheliegender, als - dem Beispiel Luthers folgend - diese Geschichte um Gott und Mensch anschaulich und eindringlich in bewegten Bildern zu erzählen?
Und - dem Beispiel Bachs folgend - sich persönlich einzulassen auf die Geschichte, die nicht in längst vergangener Zeit spielt, sondern aktuell in jedem menschlichen Leben.
In der Choreografie der beiden Tänzer Daniela Graça und Roland Schankula entsteht ein eindringlicher Bezug im und zum Kirchenraum, und damit zum Raum, in dem sich das innere menschliche Leben abspielt – „Mensch im Kreuz von Raum und Zeit“.
Daniela Graça, Tanz und Choreografie
Seit vielen Jahren ist Daniela Graça als Tänzerin, Lehrerin and Choreografin tätig. Sie war Mitglied zweier Repertoirekompanien, in Portugal und den Niederlanden. Sie tanzte in Werken verschiedener renommierter Choreografen und Regisseure, darunter Anouk van Dijk, Mark Haim und Peter Sellers. Sie trat auch mit verschiedenen Tanz-und Musik-Improvisationskünstlern, im In- und Ausland, auf. In München hat sie als Performerin mit Choreografin Stephanie Felber und Cristina d'Alberto in den letzten Jahren wiederholt gearbeitet.
Als Choreografin hat Daniela mit Förderung von der Stadt Amsterdam mehrere Stücke choreografiert und sowohl in den Niederlanden als auch auf Festivals in England, Italien und Belgien gezeigt. Seit Daniela in München lebt, hat sie eigene Produktionen im Schwere Reiter gezeigt und im Auftrag des Dance Theater of Munich Stücke choreografiert und im Künstlerhaus gezeigt.
Als Gastlehrerin unterrichtet sie bei verschiedenen hochrangigen europäischen Kompanien und Hochschulen. Zehn Jahren lang war sie Dozentin für Ballett und zeitgenössischer Tanz an der Hochschule der Künste Amsterdam. In München unterrichtet sie bei Iwanson International Dance School und bei Tanzprojekt München.
Roland Schankula, Tanz und Choreografie
Seit vielen Jahren ist Roland Schankula als Choreograf, Tanztherapeut und Tänzer tätig. Er trat auf im Theater der Jugend München, war Mitglied einer renommierten niederländischen Jugendtheatergruppe und tanzte in eigenen und in Produktionen anderer Choreografen. Er choreografierte in den Niederlanden in städtisch geförderten Produktionen und für die Tanzhochschule Amsterdam.
Seine Choreografie „%“ wurde preisgekrönt auf dem Internationalen Solo-Tanz-Theater-Festival in Stuttgart. „Gamma“, getanzt von Daniela Graça, wurde für eine nationale Tournee durch die Niederlande auserkoren. Zusammen mit Daniela hat er auch weitere Projekte verwirklicht, darunter eine Choreografie zu Bachs Goldberg Variationen aufgeführt beim Barock Musik Festival in Porto, Portugal.
Patricia Ott, Orgel
Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei; zur Finanzierung wird um eine angemessene Spende gebeten.
Daniela Graça und Roland Schankula (Tanz und Choreografie), Patricia Ott (Orgel)
Daniela Graça und Roland Schankula (Tanz und Choreografie). Bildquelle (beide): Marc Kleine-Kleffmann